Nur Stunden vor der Abwahl ihres Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder besuchte Angela Merkel den Tag der Deutschen Industrie des BDI in Berlin. Als hätte er das bevorstehende Fraktionschaos bereits geahnt, kritisierte BDI-Präsident Dieter Kempf den „Selbstgesprächemodus“ der großen Koalition und empfahl der Kanzlerin, die Regierung zu führen wie ein Vorstandsvorsitzender seinen Konzern: nach außen eine einheitliche Linie. Und manchmal helfe eben nur „Durchgriff oder personelle Veränderung“. Die so Gescholtene gelobte Besserung, warb für Verständnis und ahnte bei ihrer Rede noch nicht, wie schlimm der Tag enden würde. Etwa 1000 Gäste aus Wirtschaft und Politik waren zur größten deutschen Industriekonferenz zusammengekommen. Deren Motto lautete: Risiko.

Aus: FOCUS 40/2018

 

 

Dieser Ort ist magisch.“ Die Augen von Monica Carcò-Benassi glänzen. Der ruhige Garten inmitten der hektischen Hauptstadt erinnert die Gattin des italienischen Botschafters an ihre Heimat. Es wird Champagner gereicht, der Abend ist lau, Swingmusik bettet die Gespräche weich, und all dies lässt für den Moment vergessen, dass das politische Berlin außerhalb des Palais kopfsteht.
Bis zu seiner Thronbesteigung im Jahr 1740 bewohnte Friedrich II., der Preußenkönig, den sie später „den Großen“ nannten, das spätklassizistische Gebäude in Rufweite des Stadtschlosses. Es war ein Ort der Macht und ist an diesem Abend die perfekte Kulisse für das Sommerfest von Hubert Burda Media.
Der Einladung von CEO Paul-Bernhard Kallen und Verlagsvorstand Philipp Welte folgten 700 Gäste, darunter viele Bundesminister, Entscheider aus der Wirtschaft, bekannte Persönlichkeiten aus Film, Fernsehen und Medien. Neben Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Gesundheitsminister Jens Spahn, Arbeitsminister Hubertus Heil, Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Entwicklungshilfeminister Gerd Müller und Familienministerin Franziska Giffey kamen auch Regierungssprecher Steffen Seibert und Maler Norbert Bisky.
„Alles in der Welt ist Torheit, nur nicht die Heiterkeit“, pflegte der berühmte Bewohner des Kronprinzenpalais, Friedrich II., zu sagen. Die Gäste hielten sich noch fast 300 Jahre später daran. Und feierten heiter.

Aus: FOCUS 27/2018

Wie der Mensch lebt, so stirbt er, sagt der Volksmund. Es war ein heftiger Tod, mitten im Leben: unmittelbar vor einem ausverkauften Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie eine kurze, schwere Krankheit, keine Zeit mehr für Abschied. Enoch zu Guttenberg wollte Beethovens Neunte dirigieren, die berühmte Vertonung von Schillers „Ode an die Freude“. Dazu sollte es nicht mehr kommen. Sein Chor der KlangVerwaltung sang an jenem sommerwarmen Sonntag unter einem Vertreter:

„Seid umschlungen, Millionen! Diesen Kuss der ganzen Welt! Brüder – überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen.“

Fünf Tage später war „der Baron“, wie ihn die Chor- und Orchestermitglieder liebevoll nannten, tot. Völlig unerwartet, im 72. Lebensjahr.
Er hinterlässt vier Söhne und seine Lebenspartnerin.
Georg Enoch Robert Prosper Philipp Franz Karl Theodor Maria Heinrich Johannes Luitpold Hartmann Gundeloh Freiherr von und zu Guttenberg wurde 1946 geboren. Gegen den Willen seines Vaters, Staatssekretär im Kabinett Kiesinger, studierte er nicht etwa Staatsrecht, sondern Musik. Es sollte Jahre dauern, bis der Vater seinen Frieden machte mit diesem Lebensweg.
Als Student verschlug es den Oberfranken nach Oberbayern. Im Örtchen Neubeuern übernahm er Ende der sechziger Jahre einen Singverein talentierter Laien, den er binnen Jahren zu Weltruhm führte – auf Tourneen durch Asien, Südamerika, die Vereinigten Staaten und Kanada. Guttenberg war Träger des Deutschen Kulturpreises und des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse.
Durch die politische Karriere seines ältesten Sohns Karl-Theodor wurde der Familienname ab 2009 über Musikkreise hinaus bekannt. Er stand nun nicht mehr allein für bemerkenswerte Bach-Interpretationen, sondern auch für Wirtschafts- und Verteidigungspolitik. Vater Enoch nahm den neuen Wirbel äußerlich gelassen hin und staunte doch über die rasend wachsende Popularität seines Erstgeborenen.
Die Plagiatsaffäre und den Rücktritt seines Sohns im Frühjahr 2011 bezeichnete er später als „einen der schlimmsten Momente“ in seinem Leben. Guttenberg sah plötzlich auch sein eigenes Engagement gefährdet, das seit Jahrzehnten dem Umweltschutz galt.
Als Mitbegründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) hatte er sich schon Mitte der siebziger Jahre für die Bewahrung der Schöpfung eingesetzt. In den vergangenen Jahren kämpfte er vor allem gegen Windmühlen: Im Streit um den richtigen Weg zu einer landschaftsverträg­lichen Energiewende und aus Ärger über die massenhaft errichteten Großwindanlagen verließ er 2012 den BUND.
Der Baron hat furios gelebt, immer am Wochenende in Oberfranken, wo er das Haus der Familie führte, regelmäßig ausritt, Kutsche fuhr und jagte. Unter der Woche in München und in Neubeuern, dort nicht als Patron, sondern als Gleicher unter Gleichen im Dienste der Musik.
Wer ihn einmal hat dirigieren sehen, wer gesehen hat, wie er feierte, lachte, kämpfte, zürnte, wie er Fremde und Freunde umarmte und Musikern nach einer gelungenen Solopassage ein „Ich liebe Sie“ über die Häupter der Mitspieler zurief, der weiß, was gemeint ist: Enoch zu Guttenberg lebte mit allen Sinnen.
In seiner Autobiografie, die er zum 65. Geburtstag veröffentlichte, findet sich eine Passage, die Freunden, Wegbegleitern, Anhängern und seiner großen Familie Trost sein könnte: „Eine fast religiöse Erfahrung habe ich mein Leben lang mit Trauer gemacht. Sie verwandelt sich immer in die Liebe zurück, die von ihr ausgelöst wird. Trauer und Liebe bedingen einander.“

Aus: FOCUS 26/2018

Eine halbe Stunde vor Sitzungsbeginn. Beinahe im Sekundentakt pumpt die Hauptstadt einen Strom dunkler Wagen durch die Absperrgitter auf den Friedrich-Ebert-Platz. Die Nummernschilder B-FD kennzeichnen sie als „Fahrdienst“. Ein Trinkgeld für den Chauffeur, Türenschlag, kurzes Nicken in die Runde. Durch eine gläserne Sicherheitsschleuse geht es in das Reichstagsgebäude.
Zutritt haben nur die 709 Abgeordneten und ihre Mitarbeiter. Journalisten nehmen den Eingang im Norden, die Besucher kommen von Westen her. All dies wird gesichert von der Polizei beim Deutschen Bundestag, einer eigenen Einheit ohne Uniform, erkennbar an ihren kleinen Wappen am Anzugrevers. Sie untersteht direkt dem Bundestagspräsidenten. Mancher Parlamentarier gönnt sich eine letzte Zigarette am öffentlichen Ascher links vom Eingang. Zwischen den hohen Säulen warten Mitarbeiter, die noch rasch die Termine des Tages besprechen wollen.
Ein Rudel Kameramänner und Tonassistenten hofft auf die Gelegenheit, ein kurzes Statement abzugreifen. Bietet sie sich, entsteht eine Mikrofontraube, oft beschmunzelt von Mandatsträgern, die im Schatten der medialen Aufmerksamkeit für ihre Kollegen unentdeckt ins hohe Haus huschen können.
Um Punkt neun Uhr steht der gesamte Saal. Der Bundestagspräsident eröffnet die Sitzung: „Guten Morgen, liebe Kolleginnen und Kollegen, bitte nehmen Sie Platz.“

aus: FOCUS 22/2018

Focus hat am 18. Januar 2018 seinen 25. Geburtstag in Berlin gefeiert – und viele prominente Gäste gaben sich die Ehre. Verleger Dr. Hubert Burda, BurdaNews-Geschäftsführer Burkhard Graßmann und Chefredakteur Robert Schneider luden in den ersten Stock des Borchardt. Auch Kanzlerin Angela Merkel war der Einladung gefolgt. Unter den Gästen waren außerdem Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Deutsche Bank-Chef John Cryan, Gründerin Fränzi Kühne, Künstlerin Aino Laberenz, Bloggerin Caro Daur, Kunstsammlerin Julia Stoschek und die stellvertretende CDU-Chefin Julia Klöckner.

Im Theater am Potsdamer Platz in Berlin wurden am 16. November 2017 deutsche und internationale Stars vor rund 800 prominenten Gästen aus Gesellschaft, Showbusiness, Medien sowie Politik und Wirtschaft mit dem Bambi ausgezeichnet.

 

Wann saßen Sie zum letzten Mal mit Fremden, Bekannten und Freunden zusammen an einem großen Tisch und haben über Politik gesprochen? Nach den Regeln der Etikette ist das ein Tabu: Über Politik, Religion und Geld spricht man nicht.
Oh doch, lieber noch in bester Gesellschaft! Donnerstag, ein Abend im September, wenige Tage vor der Bundestagswahl. 40 Gäste an einer langen Tafel, keine Hierarchien, wer am Tisch sitzt, ist dabei: Star-Architekt neben Bloggerin, Wirtschaftsmilliardär neben Verleger, gegenüber der einflussreichste Chefredakteur Deutschlands, wenige Plätze weiter rechts der Sänger der vielleicht erfolgreichsten deutschen Boyband. Dazwischen Politiker, die quasi zum Luftholen hergekommen sind, direkt aus dem Wahlkampf. Sie tragen die Themen von der Straße hinauf in den ersten Stock. Gedämpftes Licht, Jazzmusik, weißes Tischtuch, Kerzen… (aus: FOCUS 39/2017)

 

Das Ergebnis der 16. Bundesversammlung stand vorher schon fest: Frank-Walter Steinmeier wurde wie erwartet im ersten Wahlgang zum zwölften Bundespräsidenten gewählt. Dennoch war die „Eintagsfliege der Demokratie“ (Zitat Claus Kleber) feierlich und würdig. Einige Impressionen des Vormittags im Reichstag.

Mir hat es die Rückseite Berlins angetan. Seit Jahren streife ich über die Hinterhöfe der Hauptstadt, durch die Nebenstraßen und Hochhaussiedlungen, auf der Suche nach dem einmalig Verranzten, der schrägen Szene, dem liebevollen Kiezidyll. Ganz bewusst besuche ich dabei die Ecken und Straßen der Stadt, denen nie die Ehre zuteil wird, in Reiseführern erwähnt zu werden. Ich finde, sie haben ebenfalls Aufmerksamkeit verdient. Entstanden ist ein Berlin-Bildband der anderen Art, garantiert Sehenswürdigkeiten-frei.

Pressestimmen zu Berlin.Backstage

„Kuriose Fotos wie diese werden unzählige in sozialen Netzwerken hochgeladen. In Hureks kleinformatigem Band, nicht größer als ein Notizblock, entfalten sie eine ganz andere Qualität. Sie sind keine flüchtigen Gags, sondern Liebeserklärungen.“ Süddeutsche Zeitung

„Die Wahrheit ist wohl: Berlins schmuddliger Hinterhof macht diese Metropole so attraktiv. Crazy!“ Berliner Morgenpost

„Einen solchen Bildband von Paris kann man sich nicht vorstellen.“ Berliner Zeitung

„Es ist ein kleines und feines Buch, das Blicke auf die Wirklichkeit und soziale Realität jenseits der schönen Straßen zeigt. Dort leben die Menschen und dort finden sich die Situationen, die alltäglich sind und doch nicht wahrgenommen werden.“ ​dokumentarfotografie.info

 

Berlin von hinten